Lehrerweiterbildung ausrichten 1

Die Wirksamkeit von Lehrerweiterbildung bemisst sich bekanntlich nicht nur an zufriedenen Kursteilnehmenden. Ziel ist es letztlich, dass verändertes Lehrerinnenhandeln seitens der Schülerinnen und Schülern mehr Lernerfolg bewirkt; da kann durchaus die Arbeit an personalen Ressourcen der Lehrperson sinnvoll sein, damit sie überhaupt dran bleiben kann im Job. Die folgenden Gedanken beziehen sich aber auf Weiterbildungsziele, die “direkt” eine verbesserte Erreichung der Lehrplanziele bewirken wollen, was im Kern fachspezifische bzw. fachdidaktische Themen berührt.

Für die Ausrichtung der Lehrerinnenweiterbildung heisst das: Weiterbildungsangebote unterstützen die Lehrpersonen konsequent im Knowing What and Knowing How, Lernumgebungen zu gestalten, die unterschiedlichen Schülerinnen und Schülern ermöglichen, zu lernen, oder neuerdings: Kompetenzen aufzubauen. Relativ lapidar, ok. Aber, da muss ich der These von Urs Kalberer (IG Kindgerechte Schule) teilweise Recht geben: Wenn man die fachdidaktische Angebote für Lehrpersonen danach evaluieren würde, inwiefern sie  davon abgeleitet sind, a) wie Schülerinnen und Schüler das entsprechende Konzept lernen (können), b) welche Lernumgebung(en) sie dabei unterstützen, c) welche Massnahmen Lehrpersonen angesichts der angetroffenen Vorkonzepte in der realisierten Lernumgebung adaptiv treffen können und d) welche professionelle Kompetenz dazu notwendig ist, würden wohl nicht alle diesen “Ableitungstest” bzw. dieses “Alignement” bestehen.

Fachdidaktische Weiterbildungsangebote müssen Ziele setzen (warum nicht nach der revidierten Bloom’schen Taxonomie?!), die von d) über c) und b) kohärent auf a) verweisen, also eine Lernmgebung gestalten, die die Lehrpersonen den Kompetenzaufbau erlaubt, ihrerseits Lernumgebungen zu gestalten (zu notwendigen Entscheidungen, um eine Lernumgebung zu gestalten, sh. Gabi Reinmann).

Schul- und Unterrichtsentwicklung gleichzeitig

verspricht ein Projekt der School of Education and Social Policy der Northwestern University, wie ich dem  Abstract für einen Beitrag mit dem Titel Co-design of Interdisciplinary Projects as a Mechanism for School Capacity and Teacher Professional Community Growth an der  International Conference for the Learning Sciences 2008 entnehmen kann.

Es scheint, als ob eine strategisch gewählte Aufgabe in einem interdisziplinären “Co-Design” – Projekt (?) gleichzeitig die Unterrichtspraxis, die Entwicklung einer professionellen Schulgemeinschaft und organisatorische Praktiken verändern bzw. anstossen konnte. Die Form wird als produktiver, nicht bedrohlichen Mechanismus zur Verbesserung des Unterrichts beschrieben, welche die Kompetenzen der Lehrpersonen nicht anzweifelt.

Interessant scheint mir die Ausrichtung auf Unterricht, die interdisziplinäre Auseinandersetzung und die Verknüpfung mit organisatorischen Praktiken der Schule. Die Ebenenverknüpfung ist ja insofern wichtig und bekannt, als der schulische Kontext bzw. die Schulebene in Struktur und Funktionen das Unterrichten mit beeinflussen und zumindest organisatorische Praktiken diesen nicht behindern sollten. Die interdisziplinäre Ausrichtung ist hingegen was besonderes: Die Empirie zeigt ja die besondere Bedeutung inhalts- bzw. fachspezifischer Fokussierung von Weiterbildung.

Leider habe ich noch keine näheren Angaben zur Studie gefunden, will ich aber später wieder versuchen.

Wirksamkeit von Weiterbildung – Transfer ins Berufsfeld

ist eine der entscheidenden Herausforderungen der Weiterbildung. Netzwerke, Reflexionsgruppen und (Web- 2.0 unterstützte) Austauschformen sind eine Möglichkeit der Transferunterstützung.

Ein interessantes Projekt findet im Lehrbereich Mediendidaktik der Fernuni Hagen statt: die volitionale Transferunterstützung! “Volition, oder auch als Wille bezeichnet, stellt sicher, dass bei abnehmender Motivation oder Konzentration die Handlung auf Kurs gehalten wird. Mit Hilfe volitionaler Strategien lassen sich motivationale Schwankungen oder Unlust überwinden. Die Effektivität solcher Strategien konnte in zahlreichen Studien nachgewiesen werden (z. B. Deimann, 2007). Im Rahmen der Volitionalen TransferUnterstützung werden den Lerner daher bewährte Strategien in Form eines Strategiehandbuchs zusammengestellt”.

informell und (non-)formal zu professioneller Lehrkompetenz

Dass Lehrerinnen und Lehrer im Beruf zu Profis werden, bestimmte Kompetenz erst on the job entwickeln, Expertise aufbauen, ist das eine. Dass dies auf quasi beliebigen Kombinationen von informellem, non-formalem und formalem Lernen geschieht, das andere. Was heisst das nun für ein Bildungssystem, das die professionelle Lehrkompetenz steuern will, wenn deren Aufbau primär der individuellen Verantwortung obliegt? Grundsätzlich scheinen mir nur zwei Möglichkeiten gegeben: Anreize und/ oder Verpflichtungen, lernen nachzuweisen . Anreize und Verpflichtungen sind je nach Beruf unterschiedlich. Unterschiede gibts nicht nur im Ausmass, sondern auch in Bezug auf die Konkretisierung der bzw. Anforderungen an die Lerninhalte und den Nachweis. Für Lehrpersonen gibt es (im Kanton Bern) zwar das Recht/ Pflicht auf Weiterbildung, aber kaum, Bestimmtes zu lernen und noch weniger, Bestimmtes in Richtung einer diskutierten, beschriebenen professionellen Kompetenz. Vermutlich wird auch der Nachweis unterschiedlichst gehandhabt.

Eine beschreibbare professionelle Kompetenz wäre dafür Voraussetzung, ist es auch, wenn man auf die erziehungswissenschaftliche und berufsständische Diskussion von professioneller Kompetenz und Standards blickt. Soll sie aber auch in den Blick von Lehrpersonen kommen, was wiederum Voraussetzung ist, dass sie als Referenz für Anreizsysteme und Verpflichtungen gelten kann, muss es Lehrpersonen möglich werden, ihre eigene, individuelle Expertise einzuschätzen oder einschätzen zu lassen – quasi ihr individuelles Kompetenzniveau im Hinblick auf eine bestimmte berufliche Anforderung zu beurteilen oder beurteilen zu lassen, und zwar letzlich unabhängig von ihren Qualifikationen (Ergebnisse formaler Lernprozesse, welche Diplome ergeben haben), sondern abhängig von ihrer Performanz, in der sich ihre Kompetenz realisiert.

Bei diesen Überlegungen muss an die Geschichte mit der Anerkennung informellen Lernens angeschlossen werden, die nicht zuletzt im Rahmen der Angleichungspolitik auf europäischer Ebene (Qualifikationsrahmen/ Anerkennung früheren Lernens) an Gewicht gewinnen wird. Der neuste Bericht dazu: Reinhard Zürcher schreibt über theoretische, didaktische und politische Aspekte des informellen Lernens und des Kompetenzerwerbs, wie im Weiterbildungsblog zu lesen ist. Und: Hier eine Video-Erläuterung von informellem Lernen in Englisch.

Video zur Darstellung und Entwicklung von Kompetenz?

Video, Film zur Darstellung von Kompetenz, ein interessantes Medium, um “Best Practice” zu zeigen. Der journalistische Zugang zum Thema Lernen z.B. von Reinhard Kahl bei seinen “Treibhäuser der Zukunft” kann sehr anregend sein.

Bei TeacherTube ist diese filmerische Darstellung der neun Schulleitungskompetenzen aus Texas zu sehen: Culture, Communication, Conduct, Curriculum, Teaching, Staff Development & Performance, Programm Management, Ressources Management, Physical Campus Management.

Download Video: Posted by Jim Becka at TeacherTube.com.

Aus wissenschaftlichen Studien gewonnenes Bildmaterial wird auf dem Videoportal des Lehrstuhls Pädagogische Psychologie und Didaktik des Pädagogischen Instituts der Universität Zürich auch in einer Webversion zu verschiedenen Themen zum Mathematikunterricht zur Verfügung gestellt. Der Gestaltung entsprechender Lernumgebungen muss aber, wie dieser Artikel zur netzbasierten Reflexion von Unterrichtsvideos zeigt, grosse Beachtung geschenkt werden.

Weiterbildung in Web 2.0 Tools

Interessante Diskussion auf einer Seite, die sich spezifisch dem Thema Web 2.0 in der Schule widmet, gefunden: ein Lehrer muss auf die Schnelle für sein Kollegium eine 6-stündige Weiterbildung Web 2.0 planen. Erste Ratschläge von Kolleginnen sind klassisch methodisch orientiert (à la “Hauptsache-was-tun”), dann schaltet sich Jared mit weitergehenden Fragen ein…

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Ein Interview mit Guskey

Guskey hat eine Differenzierung von “effectiveness” – Wirksamkeit – vorgeschlagen, die bei Evaluationen von Programmen zu berücksichtigen sind. Er unterscheidet fünf Ebenen, die er bei der Evaluation der Wirksamkeit von Lehrerinnen- und Lehrerweiterbildung anwendet, um Genaueres zu deren Reichweite sagen zu können.

  1. Die Reaktion der Teilnehmenden
  2. Das Gelernte der Teilnehmenden
  3. Unterstützung und Veränderung in der Organisation
  4. Gebrauch von neuem Wissen und Können
  5. Verhaltensänderungen bei den Schülerinnen und Schülern

Je nach Ebene unterscheiden sich die Evaluationsmethoden, werden andere Fragen beantwortet und sind andere Schlüsse zulässig.

Sein Buch mit ausführlichen Erläuterungen haben wir in unserer Bibliothek. Hier ein Interview mit ihm.

Ausweisen von Kompetenzen

Im Zusammenhang mit der europäischen Initiative Lebenslanges Lernen gibt es verschiedene Versuche, Kompetenzen von Menschen aufzuzeigen, zu erfassen bzw. besser: auszuweisen, insbesondere auch solche, die man im Rahmen informeller Weiterbildung erworben hat. In Deutschland ist das der ProfilPass, der stark an die Portfolio-Idee erinnert. Er ist ein Instrument zur Identifikation und Dokumentation von individuellen Fähigkeiten und Kompetenzen. Durch die Selbstklärung vorhandener Kompetenzen und das Aufzeigen von Entwicklungsperspektiven im Laufe der Bearbeitung des ProfilPASSes erhalten die Nutzenden eine Grundlage für die Orientierung im Berufsund Erwerbsleben. Der ProfilPASS-Prozess bezieht formale, non-formale und informelle Lernwege gleichermaßen ein.
Den Endbericht zur Erprobungsphase gibt es hier.

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